Spaß beim TÜV


Einige SAAB 900-Fahrer werden es vielleicht nachempfinden können, wie viel Spaß man mit einem SAAB 900 bis Baujahr 1987 bei der Hauptuntersuchung haben kann!
Für mich war es immer wieder ein Event, das bei richtiger Durchführung mächtig Spaß mit sich brachte:

Es war also wieder soweit – mein SAAB 900 Turbo 16S von 1984 musste zur Hauptuntersuchung. Schon auf dem Weg zur Prüfstelle stieg die Vorfreude in beängstigende Höhen.
Nach einer schönen Fahrt über die Autobahn kam ich auf der Prüfstelle an und Dank eines vorher vereinbarten Termins kam ich auch schnell dran.

DNO (Der Nette Onkel) vom TÜV erfüllte zumindest rein optisch alle meine sorgsam über Jahre gepflegten Vorurteile: blauer Kittel, unter dem eine Cordhose hervorschaute, wenig Haare, mürrisch dreinblickend.
Gedacht haben mag er wohl etwas in die Richtung “Schon wieder so ein junger Hüpfer…”

Die Prüfung begann zunächst langweilig und unspektakulär – Lichttest, Scheibenwischer, Unterboden, Reifen – und trotzdem stieg meine Vorfreude stetig an!
Dann, endlich, gleich sollte es soweit sein! Der Prüfer setzte sich in den SAAB und fuhr zum Bremsenprüfstand!
Schon hoppelten die Vorderräder in die Bremsrollen. Das Gerät lief an und der immer noch skeptisch blickende Prüfer beobachtete die absolut parallel zueinander anzeigenden Pfeile seines Anzeigegerätes. Alles O.K.

Und in den nächsten Sekunden sollte ich erfahren “Ja, es wird eine dieser Hauptuntersuchungen mit viel Freude!”:
Denn der Prüfer fuhr nach Überprüfung der Betriebsbremse (Fußbremse) sofort weiter, um die Hinterachse in die Rollen zu fahren. Hier trat er nun wieder die Bremse, und erneut zeigte das Display einwandfreie Bremswerte an. Nun begann ich, neben dem SAAB stehend, fast vor Vorfreude zu hüpfen!

Ja, endlich, dann passierte es: Der Prüfer griff zwischen die Sitze und zog den Handbremshebel.
Und? Was passierte?  Nichts passierte!
Er löste noch einmal den Hebel und zog erneut! Wieder nichts, absolut nichts.
Der Prüfer sprang geradezu aus dem Auto, so dass ich gerade noch einen rettenden Schritt zur Seite machen konnte.

Aufgebracht stand er vor mir: “Junger Mann, Ihre Feststellbremse ist ohne Funktion!”
Lautstark schmetterte er mir das entgegen. (Oh ja, hier begann nun der Spaß!)

Erst wollte ich noch entgegnen: “Meine Feststellbremse ganz sicher nicht, Sie meinen sicherlich die meines SAABs, oder?” – aber ich wollte es nicht übertreiben und verkniff mir diesen Spruch…

So antwortete ich nur betont ruhig und gelassen: “Ähm… das ist aber ein SAAB 900 von 1984!”

Die Antwort folgte prompt, noch immer in der anfänglichen Lautstärke: ”Auch bei einem SAAB muss die Handbremse funktionieren!” – dieser gereizte Blick des Prüfers… Hach, einfach unbezahlbar 😉

Ich versuchte mir ein Grinsen zu verkneifen: “Sie sind aber schon richtiger Inschenöar oder?”
(Ich habe das wirklich sehr übertrieben ausgesprochen)

Er bekam eine leichte Rotfärbung im Gesicht, so richtige kleine Flecken: “Nun werden Sie mal nicht frech! So kriegen Sie keine Plakette!” – er steigerte sich so richtig.

Um ihn nicht zu gefährden, wollte ich es nun lieber nicht zu weit treiben und entgegnete, wieder ganz gelassen, was ihn aber offenbar noch weiter in die Gefahrenzone trieb: “Ich habe ja nur vorsichtig gefragt, da Sie offenbar nicht wissen, dass bei diesen SAABs die Handbremse auf die Vorderräder wirkt.”

“Oh…” mehr folgte nicht. Er stieg wieder ins Auto, fuhr wieder die Vorderachse in den Rollenprüfstand, zog den Handbremshebel und erhielt perfekte Werte. Anschließend wäre nun noch der Stoßdämpfertest gekommen und das heiß ersehnte Kleben der Plakette. Er stieg aber wortlos aus meinem SAAB und verschwand in seinem Kämmerchen.

Etwas ratlos, wie es nun weitergehen würde, stand ich dort. Und nun?
Nach einigen Minuten kam einer seiner Kollegen auf mich zu, grinste mich an und sagte: “Der Kollege ist verhindert.” Er klebte die Plakette, ich erhielt den Prüfbericht mit “Ohne erkennbare Mängel”.
Der wirklich nette, noch recht junge Prüfer grinste mich erneut an mit dem Kommentar: “Bin ich auch schon drauf reingefallen, jetzt hätte ich es aber gewusst.”
Wir verabschiedeten uns voneinander und ich freute mich schon wieder auf die nächste HU in 2 Jahren…


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